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Büro-/Geschäftshaus

Neubau Betriebsgebäude in Sichtbeton, Geislingen, Deutschland

Betonbüro 33°


Büro aus Beton «Wie schaffen wir einen Bürobau, der uns Überblick über unser Betriebsgelände gibt?» Diese zentrale Frage stellten sich Karl-Heinz, Klaus und Carmen Schmid, die in dritter Generation Kies, Sand und Schotter verkaufen sowie Erdarbeiten und Transportbeton anbieten.

Der Architekt Otto Beutter reflektiert die Ausgangslage: «Inmitten des weiträumigen Betriebsgeländes sollte ein funktionaler Büroneubau auf drei Ebenen entstehen. Für die Bauherren war eine wesentliche Verbesserung des Überblickes auf die Hauptelemente des Firmengeländes von besonderer Bedeutung.» Da der Ort für den Neubau parallel zur bestehenden Fahrzeughalle in einem Abstand von 16 Metern in südlicher Richtung geplant war, wurde durch die Verdrehung des vorderen Gebäudesegmentes um 33 Grad und die Öffnung des Lichtausschnittes bis zu den seitlichen Knickpunkten eine Idealaussicht von der Geländezufahrt im Süden, vorbei an Fahrzeughallen und Betonmischanlage, bis hin zu den Kies und Sandschütten im Osten erreicht.

Baustoffe aus dem direkten Umfeld

Das Sichtbeton-Wohnhaus des ortsansässigen Architekten und natürlich der jahrelange Umgang mit Beton weckten den Wunsch der Bauherren, ein Betriebsgebäude in Sichtbeton zu bauen und eben Otto Beutter als Planer auszuwählen. «Zu Beginn der Planung und der Konzeptentwicklung war der Entwurfsgedanke, ein Gebäude entstehen zu lassen, das aus denselben Zutaten wie die Materialien aus seinem direkten Umfeld besteht. Nämlich: Kies, Sand, Zement und Wasser als die ureigenen Materialien der Betonherstellung. Daher war es naheliegend, den Baukörper komplett in Sichtbeton zu errichten, nicht nur aus dem Zusammenhang der Firmenthematik heraus, sondern vielmehr, um ein natürliches Erscheinungsbild der Materialeigenschaft Beton zu erhalten», so Beutter. Die Gesamterscheinung des Entwurfes in seiner monolithischen Form mit dem Pultdach und der Verdrehung des Arbeitsplatzbereiches um 33 Grad erinnert an einen aus dem Fels gebrochenen Stein und passt zu den Baustoffen Sand, Schotter und Kies, die hier lagern und verarbeitet und verkauft werden. «Allen gefällt’s richtig gut», sagt Carmen Schmid, die Chefin im Büro. Philosophischer beschreibt es der Architekt: «So dient die Architektur nicht nur als Arbeits- und Werkstätte, sondern wird zum Markenzeichen, das sowohl vor Ort als auch im Rahmen interner und externer Kommunikation Aufmerksamkeit schafft und Umsatz generiert.»


Foto copyright: Nino Strauch, Balingen

Kombination aus Fertigteilen und Ortbeton

Die gesamten Wände wie auch die Treppen des Neubaus wurden aus vorgefertigten Stahlbetonfertigteilen erstellt, wobei die Aussenwände aus 40 Zentimeter dicken vollgedämmten Stahlbeton-Hohlkammerwänden mit werkseitig eingeschäumter Polyurethan-Hartschaumdämmung gefertigt und auf der Baustelle ausbetoniert wurden. Die Bodenplatte, die Zwischendecken und das Dach wurden abgeschalt und vor Ort betoniert. Sämtliche Flächen der Wände, Decken und Treppen sind in Sichtbeton ausgeführt worden. Bei der Ausführungsplanung der über 60 Stahlbetonfertigelemente war besonders darauf zu achten, dass die Geometrie der einzelnen Bauteile auch später auf der Baustelle wie ein grosses 3D-Puzzle ineinanderpasst. Auch mussten alle Einbauteile und Durchbrüche für die Gebäudetechnik unter Koordination der nachfolgenden Gewerke im Vorfeld mit eingeplant werden. Die Bodenbeschaffenheit des Baugeländes, welches zu einer ehemaligen Erddeponie gehört hat, machte die Gründung nicht einfach: Unter diesen Voraussetzungen musste das Untergeschoss vor allem wegen des erhöhten Grundwasserspiegels als sogenannte «Weisse Wanne» wasserdicht errichtet werden.



Beton als effektiver Wärmespeicher

Das Gebäude wird mit Infrarot-Heizflächen beheizt, welche über den Energieträger Strom betrieben werden. Durch den grossen Anteil an Betonmasse und die sehr gute Dämmleistung der Polyurethan-Hartschaumdämmung fungiert der Beton als effektiver Wärmespeicher, der Wärme aufnimmt und langsam und gleichmässig wieder abgibt. Otto Beutter nennt die Vorteile: «Solche Gebäude müssen während der Heizperiode nur wenige Stunden am Tag beheizt werden und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Energieeffizienz. Weiterhin schützen die Wände im Sommer vor Hitze, gleichzeitig reguliert der offenporige Sichtbeton die Feuchtigkeit im Haus und schafft ganzjährig ein ideales Raumklima.»

Am Bau Beteiligte

Bauherr
Gebrüder Schmid GmbH, Geislingen
Architekt
Architenkturbüro Otto M.F. Beutter Dipl.-Ing. udk,Geislingen, Berlin
Tragwerkplanung
Josef Kohle Dipl.-Ing (FH), Messstetten
Prüfstatik
TW+Thilo Weischedel Ingenieure GmbH, Stuttgart
Fertigteile
BFU Beton-Fertigteil-Union GmbH & Co. KG, Schramberg- Waldmössingen
Zementwerk
Holcim (Süddeutschland) GmbH