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Öffentliche Bauten

Nationalparkzentrum Zernez, Schweiz

Kompetenz im institutionellen Bau


Das Besucherzentrum in Zernez wird mit Holzschnitzeln geheizt, Erdregister ersetzen die Klimaanlage, und seine Gebäudehülle besteht aus einem Dämmbeton. Der Neubau ist nicht nur ökologisch nachhaltig, er schafft auch nachhaltige Eindrücke, indem formal einfache Einzelteile durch ihre wiederholte Anordnung ein schwierig zu durchschauendes Ganzes bilden.

Projektbeschreibung
Das Nationalparkzentrum in Zernez besteht aus drei Gebäuden mit verschiedenen Funktionen: aus dem Schloss Planta-Wildenberg mit dem Verwaltungssitz, dem ehemaligen Schlossstall mit einem 150-plätzigen Auditorium und einem Neubau, dem Besucherzentrum. Dessen aus identischen Räumen bestehendes Inneres schafft mit einer raffiniert einfachen Erschliessung ein erschwertes Verständnis für die räumlichen Zusammenhänge. Zwei dreigeschossige Würfeln überlappen sich an einer Ecke, sodass alle Räume über vier jeweils in Wandmitte angeordnete Fenster verfügen. Eine doppelte Treppe im Überlappungsbereich erschliesst die Obergeschosse und ermöglicht einen Rundgang, der von einem identischen Raum in den nächsten führt. Betritt man einen neuen Raum, findet man sich damit in derselben Situation wieder, aus der man eben erst herausgetreten ist. Das Verständnis des Ganzen wird so erschwert, die Einzelaspekte treten in den Vordergrund. Das Raumprogramm schafft damit eine Analogie zum naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand und den komplexen Zusammenhängen in der Natur.


Das Besucherzentrum schafft mit einfachsten Mitteln ein komplexes Ganzes


Am Bau Beteiligte

Bauherr
Schweizerischer Nationalpark
Architekt
Valerio Olgiati, Flims
Bauingenieur
Arge Jon Andrea Könz & Dr. Schwartz Consulting, Zernez
Baumeister
Arge Foffa + Conrad SA & Lazzarini AG, Scuol
Beton
Sosa Gera SA, Zernez



Anforderung
Diesem Grundkonzept – einem aus einfachen Elementen bestehenden komplexen Ganzen – entspricht auch die Wahl der Gebäudehülle. Sie sollte den bewusst schlichten Eindruck einer Wand mit einem Fenster pro Geschoss und Richtung unterstützen und keine weiteren Fugen aufweisen. Dass die Hülle aus einem fugenlosen Beton bestehen sollte, war von Beginn weg klar. Ein zweischaliger Aufbau wurde nie in Betracht gezogen, jedoch bestand zuerst noch die Absicht, den Beton mit einer Aussenwärmedämmung zu versehen. Parallel zur Entwicklung des Projekts ergab sich aber auch eine in materialtechnologischer Hinsicht: Der noch junge Baustoff Dämmbeton wurde einsatzreif.

Umsetzung
Der Einsatz eines Dämmbetons erhöhte die Schlichtheit um ein Weiteres, denn er erlaubt eine einschalige und damit maximal ehrliche Bauweise, bei der der Baustoff trägt, schützt, dämmt und Sichtfläche in einem ist. Bei einem solchen Betonbau lassen sich Ausführungsfehler im Nachhinein aber nicht mehr kaschieren. Hier ist man vollumfänglich auf den Baumeister angewiesen: darauf, dass er sein Geschäft versteht und sich für den Bau auch einsetzt. So gebührt denn die Ehre der Rissefreiheit beim Besucherzentrum in Zernez zu einem Grossteil dem Polier. Die Wände wurden in zwei Etappen mit einer Schwindgasse bei den Fenstern betoniert. Dann folgten das Vorspannen der aus Normalbeton bestehenden Decke und die fassadenseitige Verschalung der Vorspannköpfe unter den Fenstern. Dämmbeton neigt zur Lunkernbildung, weil sein geringes spezifisches Gewicht das Aufsteigen des Wassers und der Luft an der Schalhaut erschwert. Zu beachten ist auch, dass die Hydratationswärme wegen der massigen Bauweise und der dämmenden Eigenschaft des Baustoffs deutlich länger anhält. Auch die Schaltafeln leiden unter der hohen Temperatur und sind entsprechend häufiger zu ersetzen.


Die zwei Würfel ruhen mit ihren drei identischen, leicht voneinander abgesetzten Geschossen auf einem Sockel


Technische Daten zum Beton

Druckfestigkeitsklasse
LC12/13
Expositionsklassen
XC4, XF1
Konsistenzklasse
C3
Grösstkorn
Dmax16
Chloridgehaltsklasse
Cl 0,10
Rohdichteklasse
D1.0
Zement
Albaro 5 (CEM I 52,5 N): 400 kg/m3
Fliessmittel
1,2%
Stabilisatoren
(zwei) 0,5% (je
Weisses Steinmehl
200 kg/m3
Ausbreitmass
520–540 mm
Frischbetonrohdichte
900–1100 kg/m3